Folge 16: Wahlkreis gewonnen und doch nicht gewählt. Ein Gespräch mit Ulrike Hiller.
Shownotes
In Folge 16 unseres Podcasts "Politik gestreift" spricht Yvonne Mockenhaupt mit Ulrike Hiller, die bei der Bundestagswahl 2025 den Wahlkreis 54 Bremen I gewonnen hat und doch kein Mandat für den 21. Deutschen Bundestag erringen konnte.
Der Grund hierfür ist das Verfahren der Zweitstimmendeckung, nach dem Wahlkreisgewinner*innen nur dann in den Bundestag einziehen, wenn die zugehörige Landesliste Ihrer Partei ausreichend Sitze gewonnen hat.
Yvonne Mockenhaupt und Ulrike Hiller kennen sich und duzen sich deshalb.
Ulrike Hiller hat ein Buch über ihre Erfahrungen im letzten Bundestagswahlkampf geschrieben. Winterwahl ist im Kellner Verlag erschienen: https://www.kellnerverlag.de/winterwahl.html
Informationen des Deutschen Bundestages zur Zweitstimmendeckung: https://www.bundestag.de/services/glossar/glossar/Z/zweitstimmendeckung-1050890
§ 6 des Bundeswahlgesetzes zur Vergabe der Sitze an Bewerber: https://www.gesetze-im-internet.de/bwahlg/__6.html
Für Fragen, Themenvorschläge oder Feedback wenden Sie sich bitte an info@kuerschners.com
Transkript anzeigen
00:00:15: Politik gestreift, der Kirschner Podcast.
00:00:20: Hallo und herzlich willkommen zu Politikgestreif dem Podcast von Kirschners Politikkontakte.
00:00:27: Wir haben heute einen ganz besonderen Gast Und eigentlich würde ich sagen Herzlich Willkommen Frau Abgeordnete Denn sie ist direkt gewählt aber sie ist gar keine Abgeordnette.
00:00:41: Bitte stell dich kurz vor.
00:00:43: Ja, hallo!
00:00:44: Ich freu mich sehr, dass ich hier sein kann und in der Tat ist das vielleicht ein bisschen verwirrend.
00:00:52: Mein Name ist Ulrike Hiller und ich habe bei der letzten Bundestagswahl, im Wunderbahnen Bremen auch kandidiert für den Deutschen Bundestag und habe den Wahlkreis gewonnen.
00:01:07: aber ... Ich bin dann aufgrund der aktuellen Wahlrecht nicht in den Bundestag eingetogen.
00:01:18: Genau, und ich bin aber auch sonst ... politisch aktiv und mache viele Dinge in meinem Leben.
00:01:26: Hab auch schon sehr vieles getan, hatte eigentlich auch mit Politik abgeschlossen.
00:01:31: also ich war unter anderem die Bevollmächtigte hier in Berlin für die Freie Hansestadt Bremenz und war vorher auch mal Abgeordnete in der bremischen Bürgerschaft.
00:01:42: aber seit zwei tausend neunzehn bin ich eher selbstständig im Bereich Beratung und auch Coaching.
00:01:49: Und deswegen war es für mich ein großes Experiment nochmal, wieder in den Politikwahlkampf einzusteigen und zu schauen kann ich das eigentlich noch?
00:02:01: Das waren ja wilde Zeiten weil das eine vorgezogene Wahl war.
00:02:06: aber das hat gut geklappt.
00:02:08: wir haben den Wahlkreis gewonnen und leider zum großen Bedauern hat es dann aber eben für einen Mandat nicht gereicht was ich gemerkt habe, was hinterher auch viele Leute sehr enttäuscht hat.
00:02:20: Und das Schöne ist aber dass ich über diese Erfahrung jetzt auch ein Buch geschrieben habe Winterwahl und darin meine Erfahrungen aus dieser besonderen Zeit noch mal darstelle.
00:02:34: Nun is Bremen ja wenn man so sagen darf kein riesiges Bundesland.
00:02:38: für welchen Wahlkreis hast du kandidiert?
00:02:40: Ja das war der Wahlkreist Vier in Fünfzig.
00:02:42: Bremen.
00:02:43: Das Land Bremen Das Land mit den zwei Städten Bremerhaven und Bremen hat zwei Wahlkreise.
00:02:50: Und ich war für den Innenstadt-Wahlkreis zuständig, der eben wenn man nach Bremen kommt und aus dem Hauptbahnhof raussteigt genau das alles beinhaltet.
00:03:01: da gehört die Universität zu, da gehört der Flughafen zu Da gehört Mercedes-Benz genauso zu wie die ganzen Techunternehmen also Alles was zentral in Bremen in der Innenstadt ist auch das Weserstadio und die Innenstadt mit den Stadtmusikanten.
00:03:18: Das gehört alles mit dazu, was nicht dazugehört ist.
00:03:21: viel gesagt Bremenort und Bremerhaven.
00:03:24: da war Uwe Schmidt der Kandidat.
00:03:27: Der ja in den Bundestag eingezogen?
00:03:29: Der in den Bundestag eingezogen ist genau!
00:03:31: Der vorher auch schon im Bundestag war.
00:03:33: ich war nicht im Bundestach Ich bin quasi wenn man so wie eine Quereinsteigerin.
00:03:39: Die damalige Abgeordnete hatte sich im Sommer vorher entschieden, im August nicht wieder zu kandidieren.
00:03:48: Und so war die SPD auf der Suche nach einer passenden Kandidatin.
00:03:52: Zu der Zeit dachte man ja noch es ist ein Jahr hin.
00:03:57: Im September, twenty-fünf wird gewählt.
00:03:59: das hat sich dann ja in spät Herbst quasi sehr verändert Und genau, und da gab es dann eben unterschiedliche die angesprochen worden sind.
00:04:12: Ich habe tatsächlich gesagt okay wenn meine Partei das gerne möchte dass ich kandidiere... Ich bin zwar jetzt schon ein paar Jahre raus aber ich würde mich nicht wegducken weil ich finde die Zeiten sind so, dass man auch Verantwortung übernehmen muss.
00:04:31: Und wenn das dazu gehört zu Kandidieren für den Bundestag dann würde ich mich zur Verfügung stellen.
00:04:39: Das hast du ja dann auch getan und in deinem Buch beschreibst du sehr eindrucksvoll die Geschichte einer roten Jacke?
00:04:49: Die dich gefunden hat, man muss das ja so sagen.
00:04:52: Aber die in gewisser Weise symbolisch steht auch für deine Kandidatur?
00:04:58: Ja, das stimmt!
00:04:59: Das war auch was also als ich angefangen habe das wieder zurück zu besinnen Also es war eine unglaublich intensive Erfahrung Und ich nenne das auch Geburtswenen, also wieder zurückzugehen zu etwas wo man schon mit abgeschlossen hat nämlich den politischen Betrieb.
00:05:21: Ich bin damals zu einem Parteitag gegangen und auf der einen Seite es waren so tolle gemischte Gefühle so vertraut als ob man zum Familienfest geht.
00:05:31: Vieles kennt man, vieles hat sich nicht verändert.
00:05:35: Aber doch ist es auch anders oder man selbst spürt auch ... auch verändert hat und wie wichtig die Dinge früher waren.
00:05:45: Und heute kann man sich das ein bisschen vielleicht aus differenzierter anschauen, na ja auf jeden Fall bin ich da hin und habe halt auch wieder so ein bisschen Sichtung gemacht und gedacht Ich schaue mir das jetzt mal an wie es eigentlich noch so ist.
00:06:02: Es war sehr positiv aber trotzdem War's dann auch so dass ich gemerkt habe es wird jetzt ernster.
00:06:08: Und auf dem Rückweg, tatsächlich habe ich diese rote Jacke gesehen.
00:06:13: Eine Winterjacke hab die angezogen und hab gedacht, sie hat so eine dicke Kapuze also ich hab die auch heute, trage die heute auch noch und aber so knallrot und hab gesagt ja das ist jetzt genau das was ich brauche.
00:06:27: es umhüllt mich das wird eine herausfordernde Zeit und es gibt aber auch ne Sichtbarkeit die du in der Politik brauchst.
00:06:37: Dann hab ich sie auch gleich angezogen und mich wohlgefühlt.
00:06:40: Und habe sie dann den ganzen Wahlkampf über wirklich getragen, und sie hat mich gut behütet auch ein
00:06:49: bisschen.".
00:06:55: Du hast enorm kurzen Zeit einen so erfolgreichen Wahlkampf gemacht.
00:07:02: Ja!
00:07:02: Du
00:07:03: hast erzählt von unglaublichen Begegnungen, von Menschen die im Kleinen so viele auf die Beine stellen und du hast dich engagiert.
00:07:13: Die Menschen sind auf dich zu gekommen.
00:07:15: Du konntest auch dir eigene Leute in der Partei begeistern.
00:07:18: Da dast ein sehr gutes Ergebnis das Beste des Wahlkreises und dann bist du nicht in den Bundestag eingezogen.
00:07:25: Wie
00:07:26: haben denn deine Wahlkämpferinnen und Wahlkämfe darauf reagiert?
00:07:30: Und die vielen Menschen, mit denen uns Gespräch gekommen ist.
00:07:33: Und war es auch so der Gedanke daran, dass durch die Wahlrechtsreforms dazu kommen kann, dass du gar nicht einsiehst?
00:07:41: wie sehr hat dich das begleitet in dieser
00:07:44: Zeit?
00:07:46: Viele Fragen!
00:07:48: Also erstmal, was wichtig ist.
00:07:50: Ich habe den Wahlkampf nicht allein gemacht.
00:07:52: also ich bin zwar abgesagt ihr könnt euch verlassen ich gehe hier vorne weg und ich gebe alles und ich hatte auch das Privileg oder die Möglichkeiten was ja auch nicht jeder hat dann wirklich zu sagen ich nehme jetzt diese Zeit und die gebe ich auch zur Verfügung.
00:08:11: Es gab viele, die sich sehr engagiert haben und die hätten das bei jedem anderen auch gemacht.
00:08:16: Also weil es gibt schon so eine Verankerung auf wenn Wahlkampf ist da müssen halt alle mitmachen.
00:08:22: Bislang gibts den!
00:08:23: Das ist auch gut so.
00:08:25: Aber natürlich ist es sicherlich auch schön, wenn es gut zusammen geht und man auch ein Team und Personen um sich herum hat.
00:08:34: Die einen dann vielleicht sehr kurzfristig kennenlernen aber anderen doch trotzdem auch gut finden so dass sie auch mit Herz dabei sind und das jetzt nicht einfach nur so machen Und das war bei mir schon auch so.
00:08:48: Also ich fand es auch noch mal schön, Bremen so zu erleben und auch zwar kritische Fragen am Anfang aber dann auch klare Unterstützung zu haben weil das ist ja alles ehrenamtlich, dass niemand muss da irgendwas machen.
00:09:05: Aber trotzdem ist es natürlich so, dass du diese Begegnungen die du da sammelst Also sagen wir es mal so rum.
00:09:17: Ich habe eigentlich nie ein Geheimnis daraus gemacht, dass dieses Risiko besteht bei einem Stadtstaat.
00:09:24: Das ist auch wenn wir den Wahlkreis, dem wir seit ... alle bei jeder Wahl gewonnen haben, dass das sein kann, auch dass wir den gewinnen und das ist trotzdem nicht reicht.
00:09:35: ich hab das nie verschwiegen weil ich auch wusste, ich bin Juristin wie das Wahlrecht ist und diese Diskussion gab es vorher auch.
00:09:44: Dass sie trotzdem Gast gegeben haben, dass die trotzdem mitgemacht haben war natürlich super!
00:09:49: Und dass es dann gelungen ist tatsächlich diesen Wahlkreis der Hartumkämpf war auch von meinen Konkurrenten.
00:09:56: Das waren ernsthafte Austausche deswegen waren die Ergebnisse aus eher dicht beieinander.
00:10:03: Dass das dann trotzdem gelungen ist, war für mich große Freude.
00:10:09: Aber natürlich hast du auch gemerkt dass einige damit hoffnungen verbinden.
00:10:13: A Dann gibt es ein Wahlkreisbüro, dann gibt's in Berlin was.
00:10:18: Wir entwickeln Dinge zusammen und das bleibt ja nicht aus wenn du diese vielen Gespräche führst auch mit Einrichtungen und mit Gruppen und das ist ja ein hohes Privileg in so einem Wahlkampf dass du in so viele Bereiche unternehmen und sonst wie Einblick nehmen kannst dass dir auch sofort Gedanken hast was könnten wir weiter zusammen machen, auch für dieses Gemeinwesen.
00:10:39: Oder wie kann man unterstützen?
00:10:42: Zum Beispiel Exzellenz-Uni der Wettbewerb und so solche Dinge oder viele andere Sachen.
00:10:48: Und das ist in meinem Kopf dann auch am Rattern gewesen.
00:10:52: Ich hätte es sehr gerne gemacht.
00:10:55: Natürlich war häufig die Frage, wo wir zu dich engagieren.
00:10:59: Was sind deine Ideen?
00:11:01: Auf der einen Seite sagt's dann immer ja erst mal die Wahl gewinnen Und trotzdem musst du natürlich auch ein bisschen deutlich machen, wo deine Leidenschaften oder deine Themen auch sind.
00:11:14: Genau und als dann aber deutlich war Wahlkreis gewonnen, aber doch nicht drin.
00:11:18: Obwohl ich auch tatsächlich die meisten Stimmen hatte also so einem prozentualer Unterschied, ist es eine große Ungerechtigkeit, die empfunden worden ist.
00:11:28: Ich selbst war gar nicht so... Also ich wollte mir meinen Wahlsieg auch nicht nehmen lassen Aber ich habe das dann von vielen schon gespürt, dass es wirklich als eine große Ungerechtigkeit und Enttäuschung wahrgenommen worden ist.
00:11:42: Und das ist auch nicht in Ordnung.
00:11:43: also deswegen glaube ich ist es auch richtig, das Wahrecht nochmal anzugehen und dort auch das noch zu verbessern obwohl das nicht so einfach ist.
00:11:56: Aber das versteht niemand und es ist dann auch antidemokratisch.
00:12:01: Wenn ich meine Stimme einer Person gebe, die holt die meisten Stimmen.
00:12:06: Und alle anderen Konkurrenten ... Das ist ja bei mir so sind in den Bundestag gekommen.
00:12:12: Die, die die meisten stimmen hat, ist nicht drin.
00:12:16: Dann ist das etwas was niemand versteht.
00:12:21: auf Dauer absolut ungerecht und undemokratisch.
00:12:25: Und deswegen muss daran was verbessert
00:12:29: werden.".
00:12:29: Du gibst ja in deine Buch tatsächlich auch Empfehlungen?
00:12:34: Ja!
00:12:36: Wie sehen die aus, was empfiehlst du?
00:12:38: Das ist als Touristin das, was ich da reingeschrieben habe.
00:12:43: Es wird sich wahrscheinlich nicht so umsetzen lassen.
00:12:47: Aber ich hab die Erfahrung des Wahlkampfs insgesamt auch in einem Stadtstaat noch mal mit aufgegriffen ... Und mir ist sehr deutlich geworden, dass sehr viele in der Bevölkerung also die Mehrheit und die große Mehrheit ihrer mit denen ich gesprochen haben eigentlich mit einem Zwei-Stimmen-Wahlrecht nichts anfangen können.
00:13:07: Also es ist sowieso schon ja ordentlicher Arbeit Menschen davon zu überzeugen das sie ihr Wahlrecht in Anspruch nehmen aber dann auszudifferenzieren warum es eine erste und eine zweite Stimme geben soll.
00:13:23: Und natürlich verstehe ich das System eines Wahlkreises.
00:13:28: Aber ich persönlich wäre da radikal und würde sagen, dass brauchen wir nicht mehr.
00:13:33: eine Stimme reicht eigentlich und dann kann man Listen haben.
00:13:40: Und könnte dieses Thema, dieses elendige lange Thema der Parität nämlich der Geschlechteraufteilung darüber auch gleich lösen indem man regionale Listen macht oder in dem man mein Ding auch Bundeslisten macht die aber so regional aufgesplittet sind dass es keine Regionen gibt.
00:14:00: Die nicht höchstwahrscheinlich nicht keinen Mandatsträger mehr hat oder Mandatsträgerin.
00:14:07: Also da lieber mit einer Liste zu arbeiten, weil ich glaube – das ist auch eine steile These von mir – dieses Denken in Wahlkreisen tut der Politik eigentlich nicht gut, weil ... Das steht auch beim Bundestag drauf und das gehört zu jedem Parlament.
00:14:24: Diese persönlichen Wahlen geben einem immer das Gefühl, ich kenne eigentlich die, die mich unterstützen und gewählt haben aber das tun sie in der Regel nicht und wir sind als Abgeordnete egal im welchem Parlament dem ganzen Volk verpflichtet und nicht nur denen wo ich glaube dass Sie mich unterstützen Und ich glaube es würde unserer politischen Kultur eigentlich gut tun.
00:14:55: Die Bremer Stadtmusikanten hast du eben schon erwähnt.
00:14:58: Ja!
00:14:59: Was haben die Bremer Stadten-Musikkanten mit dir und deiner Partei zu tun?
00:15:04: Auch schön, ich liebe Geschichten und auch Märchen.
00:15:09: Ich komme zwar aus Niedersachsen, bin aber lange in Bremen verankert ... Und die Stadtmusiker begleiten mich tatsächlich wirklich sehr lange.
00:15:22: In Bremen sagt man ja, man braucht ein Kompass.
00:15:25: Man muss wissen für welche Werte man steht.
00:15:27: Warum mache ich Politik?
00:15:29: Was ist das was mich ausmacht?
00:15:30: und da sind die Stadtmusikanten, die sich ja in gewisser Weise aus der Not heraus zusammentun um ein besseres Leben zu finden.
00:15:41: also sie sind ja vor dem Tod auch auf der Flucht sind auch schon bisschen alt Und gebrechlich und schaffensarbeit durch das gemeinsame mehr Energie zu entwickeln, um sogar die Räuber irgendwie zu verscheuchen.
00:15:57: Nach Bremen sind sie nie gekommen heißen aber Gott sei dank Bremerstadt Musikanten.
00:16:02: Aber Sie sind natürlich auch Baumarnschlau was ich glaube, ganz gut auch kann und versuchen aus der Not das Beste zu machen.
00:16:14: Meine Diplomarbeit damals als in einem Studium hieß etwas besseres als den Tod findest du überall.
00:16:23: Und es ist natürlich auch das Thema von Asyl- und Flucht und Unterstützung und Solidarität.
00:16:30: Das verbindet mich sehr mit der SPD.
00:16:35: Das, was du beschrieben hast, hast du ja auch bei deinen Begegnungen während deines Wahlkampfes
00:16:41: erlebt.
00:16:42: Solidarität,
00:16:43: Menschen aus einem anderen Teil der Welt die nicht nur etwas Besseres als den Tod gefunden haben sondern die haben Liebe gefunden sie haben ihren Auftrag in der Gesellschaft gefunden.
00:16:55: das beschreibst du sehr eindringlich.
00:16:58: es muss dich sehr bewegt haben.
00:17:00: Ja, ja.
00:17:00: Das ist ein Schwerpunkt auch gewesen.
00:17:02: also ich habe halt auch gedacht wenn ich jetzt nochmal kandidiere.
00:17:06: auf der einen Seite Ich will viel bei den Menschen sein die auch produktiv sind oder die auch aktiv sind und ich war ja mal als Staatsrätein auch für Entwicklungszusammenarbeit zuständig und Integration was mich sehr gefreut hat das ja ewig lange her dass viele sich an mich auch erinnern konnten Wenn du manchmal im einzelnen Dinge vorantreibst und trotzdem das System auch versuchst zu verändern, dann gibt es da doch was, was dich verbindet.
00:17:40: Und ich habe jetzt in diesem Wahlkampf viele Menschen wieder getroffen die ich von früher noch kannte und die aus ihrem Leben so viel gemacht haben, wo ich voller Begeisterung bin.
00:17:55: Und grundsätzlich jetzt auch am Wahlstand auf dem Marktplatz oder sonstwo.
00:18:00: mir ist in diesem Wahlkampf extrem aufgefallen wie bescheiden viele Menschen einfach sind und sich bemühen ein gutes Leben zu führen Und mir sowas auch ganz viel gesagt haben, wir hatten ja eine hohe emotionale Migrationsdebatte.
00:18:19: Die keiner so richtig eigentlich wollte und immer wieder auch dieses Ich bin vor Terror geflohen.
00:18:25: ich will hier eigentlich nur friedlich leben!
00:18:27: Ich habe doch gar kein Interesse daran, wieder in so ein Durcheinander zu geraten.
00:18:34: Also wie viel da auch Verzweiflung, aber auch an Mut war.
00:18:40: Und genau gerade die Frauen, die sich auch selbstständig gemacht haben und was... die wir alle auch kennen aus Nagestudios, Friseur oder eben aus dem Handwerk.
00:18:55: Aus Restaurants was wir selbstverständlich hinnehmen aber die so fleißig arbeiten.
00:19:00: es war mir eben auch wichtig hier jetzt gerade im Buch noch mal sichtbar zu machen weil ich finde sie leisten unglaublich viel.
00:19:09: für dich ist dieses buch Erklärung an das Gute im Leben und an das gute in diesem Staat, in dieser Demokratie.
00:19:20: In einer krisengeschüttelten Welt.
00:19:22: Und du beleuchtest was Menschen im Kleinen tun?
00:19:26: Ist es für dich wichtig den Menschen nahezuhrängen zu sagen, dass es nicht über eine Krise
00:19:33: ist?
00:19:34: Genau!
00:19:34: Also ich glaube, dass es auf der einen Seite ganz wichtig ist zu erkennen.
00:19:40: Mein Menschenbild ist sowieso ein sehr positives.
00:19:44: Ob jetzt bei Kindern aber auch bei Erwachsenen.
00:19:46: am Ende unterstelle ich niemandem, das er ein bösartiger Mensch sein
00:19:52: will.".
00:19:53: Und ich habe immer im Wahlkampf auch gesagt, auch Kriminalität.
00:19:56: Wenn jemand sich nicht an Regeln hält wo ich eindeutig dafür bin dass es dann auch Gesetze und Klarheit geben muss hat nichts mit dem Pass zu tun sondern mit einem Charakter wie wie Ich mich verhalte?
00:20:08: Es gibt viele viele die sich bemühen ein gutes Leben zu führen.
00:20:12: manchmal passiert das sie vielleicht so ein bisschen vom Weg abkommen.
00:20:16: da muss man ihnen auch helfen.
00:20:18: Aber das ist etwas, was natürlich vielleicht nicht so sexy ist wie wenn man ein Krimi schreibt oder wenn man Zweller isst.
00:20:26: Oder wenn man da irgendwie Bedrohungslagen hat.
00:20:29: Das war Trump jetzt in den USA auch, womit der ja spielt.
00:20:33: Dass er immer einen in so einer Willkür und oh Gott!
00:20:35: Was macht er als nächstes?
00:20:38: ist sicherlich emotional aufreibender.
00:20:42: Aber ich glaube, es ist absolut wichtig zu erkennen dass die Mehrzahl der Menschen eigentlich ein gutes Leben führen wollen solidarisch auch sind und unterstützend sind Und dass wir das auch weitergeben müssen an die nächsten Generationen.
00:20:57: Dass wir ein gutes gemeinsames Gemeinwesen haben.
00:21:00: und wenn es Menschen daran nicht gut geht, dann hat das häufig auch einen Grund wo man hinterfragen muss was steckt eigentlich dahinter?
00:21:08: Was sind die Enttäuschungen?
00:21:09: oder warum verhalten sie sich destruktiv?
00:21:12: Was ist deren Ärgernis?
00:21:15: so werden Sie nicht genügend wahrgenommen.
00:21:18: Müssen sie eigentlich mehr im Gemeinwesen zusammen sein?
00:21:21: Also das Thema Einsamkeit, was auch im Wahlkampf sehr häufig gekommen ist und deswegen spreche ich auch so von kollektiver Fürsorge oder von dem, was Bürgerzentren machen.
00:21:32: Das brauchen wir eigentlich viel mehr Orte wo wir uns begegnen können.
00:21:36: Das darf gar nicht nur ein sozialer Brennpunktthema sein sondern ich glaube es geht uns allen in diesen veränderten Zeiten Orte zu haben, wo wir uns wohlfühlen und wo wir auch miteinander in Kontakt kommen.
00:21:51: Und wo jeder so akzeptiert ist wie er ist ... Das ist eigentlich etwas, was ich glaube, wo es eine große Sehnsucht gibt.
00:22:08: Du bist also eine Wahlgewinnerin?
00:22:12: Genau!
00:22:12: Du bist nicht in den Bundestag gekommen aber du haderst mich?
00:22:16: Nein.
00:22:17: Also, nein.
00:22:19: Ich hadere nicht aber ich hätte auch Lust gehabt.
00:22:23: natürlich also in dem Wahlkreis.
00:22:25: wir haben auch... wenn ich die Anekdote noch erzählen darf das gab auch viel Unruhe.
00:22:30: Ich habe im Wahlkampf auch, weil es auch so kalt war gesagt an den Wahlstellen jetzt tanzt mal für mich bewegt euch mal und diese Fragestellung von Darfpolitik eigentlich auch Spaß machen dürfen wir eigentlich auch lustige Sachen miteinander machen.
00:22:48: Und ich hätte, wenn ich Abgeordnete war ... Ich glaube, ich hätte sofort irgendwie gesagt, wir machen hier Wahlkreis tanzen also Kreistanzen weil irgendwie so was miteinander zu tun oder eben auch Abendessen miteinander Solche Dinge, also jetzt gar nicht immer nur dieses klassisch wie man so Politik kennt und was einen manchmal überfordert.
00:23:12: Und auch langweilig ist.
00:23:13: eine neue Form hätte ich gerne ausprobiert.
00:23:16: Ich hätte auch im Bundestag gerne gewirkt in verschiedenen Bereichen.
00:23:20: Das wäre mir persönlich sehr anstrengend gewesen weil ich weiß wieso ein System funktioniert und dass es eigentlich sehr lange braucht bis man da wirkt Und ich bin eigentlich ungeduldig, aber natürlich hätte ich lieber mitgemacht als nur zugeguckt.
00:23:41: Das ist jetzt was, was so nicht möglich gewesen ist.
00:23:46: Aber es gibt immer viele Wege sich auch zu engagieren und Dinge weiterzumachen zum Beispiel ein Buch zu schreiben oder darüber zu diskutieren oder ins Gespräch miteinander zu kommen.
00:24:00: Also ganz herzlichen Dank für das wunderbare Gespräch mit dir, liebe Uli.
00:24:05: Und dein Lieblingsort in Bremen?
00:24:08: Ach mein Lieblungsort im Bremen!
00:24:11: Es ist die Weser auf der einen Seite... Und es ist das Weserstadion schon auch.
00:24:18: Ich hab da unterschiedliche Emotionen schon erlebt, aber dieses, dass alle gemeinschaftlich da kommen und fiemann und begeistert sind und so ... ja, dieses gemeinschaftliche Erlebnis, das ist nach wie vor für mich jedes Mal wieder ein neuer Kick.
00:24:37: Und ich liebe das Weserstadion an der Weser, ja doch!
00:24:43: Danke schön fürs Zuhören und bis zur nächsten Folge von Politik gestreift.
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